Der Platz vor dem Brandenburger Tor war voller fremder Stimmen. Französisch klang jetzt alltäglich in Berlin, fast so alltäglich wie das Knirschen der Stiefel auf dem Sand. Die Zelte der Besatzer standen ordentlich in Reih und Glied, als wollten sie beweisen, dass auch eine Fremdherrschaft geschniegelt auftreten konnte.
An einem der Zelte hing ein Schild: „Visitez ma tente“. Sauber gemalt, fast höflich. Ein junger französischer Soldat lehnte davor, geschniegelt, geschniegelt genug, um neugierige Blicke auf sich zu ziehen. Er lächelte, wie Männer lächeln, die glauben, ihr Lächeln reiche aus.
Eine Berliner Mutter blieb stehen. Neben ihr ihre Tochter, kaum erwachsen, die Augen offen für alles Neue. Das Lächeln des Soldaten, der fremde Klang der Worte, das Versprechen von Abwechslung – all das war gefährlich genug in diesen Tagen.
Der Soldat machte eine einladende Geste, sprach weich, fast singend:
„Visitez… ma tente.“
Die Tochter zögerte. Nur einen Augenblick. Aber der Mutter entging er nicht. Sie zog das Mädchen näher zu sich, beugte sich herab und sagte leise, scharf und ohne ein einziges fremdes Wort:
„Mach mir keen Fisematenten.“
Es war kein Schreien, kein Schimpfen. Es war der Ton, der keinen Widerspruch duldete. Der Ton, den Berliner Mütter schon immer kannten, wenn es darum ging, Träume abzuklopfen, bevor sie zu weit führten.
Die Tochter senkte den Blick. Der Soldat zuckte mit den Schultern, lächelte noch einmal – und wandte sich ab. Das Schild flatterte im Wind, als wüsste es selbst nicht so recht, was es hier eigentlich versprach.
Die Mutter ging weiter, Hand in Hand mit ihrer Tochter. Hinter ihnen blieb das Zelt, die fremde Sprache, die kurze Versuchung. Vor ihnen lag Berlin – besetzt vielleicht, aber nicht verführbar.
Und das Wort blieb. Fisematenten.
Ein kleines Stück Widerstand, verpackt in Alltagssprache.
Und bis heute weiß man in Berlin, was gemeint ist, wenn jemand sagt:
Mach mir keine Fisematenten.
Wenn du willst, passe ich den Ton noch stärker an:
- mehr berlinischen Schnauze,
- kürzer und blog-tauglicher,
- oder mit einem Rahmen „So erzählte es meine Urgroßmutter …“ für dein Früher war’s Berlin.




