Nach dem Krieg stand Willi oft an Buden. Nicht aus Lust. Aus Hunger.
Berlin war kaputt, aber irgendwer hatte immer eine Idee. Und manchmal auch Wurst.
Die erste Currywurst, die Willi aß, war kein Erlebnis. Sie war warm. Mehr musste sie nicht sein. Ketchup drauf, irgendwat Gelbes drüber, fertig. Er stellte keine Fragen. Man stellte damals sowieso keine.
Man stand nebeneinander, kaute, nickte sich zu. Jeder hatte genug erlebt. Die Currywurst war kein Gesprächsstoff. Sie war Pause.
Später wurde sie Kult. Willi wunderte sich darüber. Für ihn blieb sie das, was sie immer war: ein schnelles Essen im Stehen. Ohne Besteck. Ohne Haltungsschäden durch lange Diskussionen.
Er stand da, Jahre später, mit Jüngeren um sich herum. Touristen, Arbeiter, Bürotypen. Alle warteten. Alle gleich. Dit gefiel ihm.
Wenn einer fragte, wo die beste Currywurst sei, zuckte Willi mit den Schultern.
„Da, wo se warm is“, sagte er.
Und das reichte.
Historischer Fakt
Die Currywurst entstand vermutlich 1949 in Berlin. Durch die Mischung aus Brühwurst, Ketchup und Currypulver wurde sie zu einem der bekanntesten Berliner Imbissgerichte – geboren aus Improvisation in der Nachkriegszeit.




